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Testamentsformen

Wer eine letztwillige Verfügung errichten will - was unbedingt zu empfehlen ist - kann dies in verschiedener Art und Weise tun. Häufigste Formen sind das privatschriftliche Testament gem. § 2247 Abs. 1 BGB oder das öffentliche, notarielle Testament gem. § 2232 BGB. Daneben gibt es das gemeinschaftliche Testament, z.B. in Form des Berliner Testaments, sowie einige Sonderformen in besonderen Situationen:

1. Privatschriftliches Testament
Entsprechend der gesetzlichen Regelung ist dieses eigenhändig durch den Erblasser zu erstellen, Zusätze Dritter machen das Testament unwirksam. Dem Erblasser darf bei Errichtung des privatschriftlichen Testaments auch nicht die Hand geführt werden. Ganz wichtig ist die Unterschrift - ebenfalls handschriftlich. Empfohlen wird den Vor- und Nachnamen, bei Frauen auch den Geburtsnamen vollständig auszuschreiben. Ganz wichtig ist das Datum, da im Falle des Todes immer die zuletzt errichtete letztwillige Verfügung maßgeblich ist, gleichgültig ob notariell oder privatschriftlich.

Änderungen in privatschriftlichen Testamenten durch Streichungen oder Zusätze sind grundsätzlich möglich, sollten jedoch vermieden werden. Gewünscht sind klare Regelungen, d.h. die Neufassung des Testaments bei abweichenden Verfügungen. Im neuen Testament ist auch klar zu stellen, dass die früheren Verfügungen widerrufen werden.

Auch Änderungen oder Ergänzungen müssen die gesetzlichen Formvorschriften berücksichtigen, d.h. handschriftlich und Unterschrift unter die Ergänzungen.

Die früheren Testamente sollten im neuen Testament entweder ausdrücklich widerrufen werden, außerdem empfiehlt sich die Vernichtung der früheren letztwilligen Verfügungen.

2. Öffentliches Testament
Der Erblasser sucht einen Notar auf, seine Wünsche und Erklärungen werden vom Notar beurkundet.

Das notarielle Testament wird in amtliche Verwahrung genommen so dass sichergestellt ist, dass es beim Tode des Erblassers auch aufgefunden wird.

Wird eine ähnliche Sicherung für ein privatschriftliches Testament gewünscht, so empfiehlt sich die Eintragung im zentralen Testamentsregister, das bei der Bundesnotarkammer in Berlin geführt wird.
Beim notariellen Testament ist jedoch zu beachten, dass die Rücknahme aus der amtlichen Verwahrung zu seiner Unwirksamkeit führt (gilt nicht für das privatschriftliche Testament).

3. Gemeinschaftliches Testament
Das gemeinschaftliche Testament ist die einzige gesetzliche Ausnahme, bei der zwei Personen gemeinsam ein Testament errichten können. Es gilt nur für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner.

Wird die Ehe geschieden bzw. die Lebenspartnerschaft beendet so führt dies zur Unwirksamkeit des gemeinschaftlichen Testaments.
Auch hier ist sowohl die privatschriftliche Erstellung, als auch die notarielle Beurkundung möglich.

Unter die Gruppe der gemeinschaftlichen Testamente fällt das sogenannte „Berliner Testament“ gem. § 2269 BGB. Eheleute oder Lebenspartner setzen sich wechselseitig zum Alleinerben ein und benennen einen Schlußerben auf den Tod des Längstlebenden.

Für die Verwahrung gilt das gleiche wie für privatschriftliche Testamente: Amtliche Verwahrung, Hinterlegung beim zentralen Testamentsregister oder private Aufbewahrung.

4. Erbvertrag
Gemeinschaftliche Testamente können nur zwischen Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern geschlossen werden. Für andere Personen, die sich hinsichtlich ihres Nachlaßes vertraglich binden wollen, muss die Form des notariellen Erbvertrages gewählt werden. So kann sich z.B. ein Erblasser verpflichten, bestimmte Erbanteile oder bestimmte Gegenstände Kindern, anderen Familienangehörigen oder Dritten zukommen zu lassen. Dies ist nur durch notarielle Beurkundung möglich.
Für gemeinschaftliche Testamente, Berliner Testament und Erbvertrag gilt, dass diese eingeschränkt widerrufen werden können (und zwar durch notarielle Erklärung) so lange noch ein Vertragspartner lebt. Ist jedoch ein Ehegatte oder Lebenspartner beim gemeinschaftlichen Testament bzw. Erblasser beim Erbvertrag verstorben, sind die getroffenen Verfügungen bindend und nicht mehr abänderbar.

5. Besondere Testamentsformen
Voraussetzung der außerordentlichen Testamente sind zum einen, dass der Errichter des Testaments nicht mehr in der Lage ist selbst ein Testament zu errichten. Daneben müssen jeweils drei Zeugen vorhanden sein. In diesen Fällen reicht eine mündliche Erklärung aus, über die eine Niederschrift gefertigt wird. Es handelt sich hierbei um

• das Seetestament gem. § 2251 BGB, dies kann während einer Seereise an Bord eines deutschen Schiffes außerhalb eines inländischen Hafens errichtet werden;

• das Bürgermeistertestament gem. § 2249 BGB, dies wird zur Niederschrift des Bürgermeisters desjenigen Ortes erklärt, in dem sich der Erklärende zur Zeit der Errichtung aufhält. Neben dem Bürgermeister müssen zwei Zeugen dabei sein;

• das Drei-Zeugen-Testament gem. § 2250 BGB. Dies wird ebenfalls durch eine mündliche Erklärung vor drei Zeugen errichtet, wenn ein Bürgermeister nicht zu erreichen ist.

Diese Nottestamente haben jedoch nur eine begrenzte Haltbarkeit: Sie gelten nur drei Monate ab seiner Errichtung und verlieren anschließend Ihre Gültigkeit, wenn der Testierende noch lebt. Dieser muss dann, um die Erbfolge sicher zu stellen, ein neues Testament errichten.