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Erbrechtliche Folgen bei Scheidung

Erbrechtliche Folgen der Scheidung -
Erbrecht in der neuen Familie

1. Einfluß des Ehescheidungsverfahrens auf die
gesetzliche Erbfolge

Während bestehender Ehe sind beide Ehegatten untereinander erbberechtigt.
Diese Erbberechtigung erlischt mit der Scheidung bzw. bereits
bei Einleitung des Scheidungsverfahrens.

Hierzu ist folgende Besonderheit zu beachten:

 Stellt nur ein Ehegatte einen Ehescheidungsantrag, so ist damit das Ehegattenerbrecht des anderen ausgeschlossen. Umgekehrt ist dies nicht automatisch der Fall. Hat der andere Ehegatte der Scheidung nicht zugestimmt und keinen Scheidungsantrag gestellt, so erlischt das Erbrecht noch nicht, sondern erst mit Rechtskraft der Scheidung. Stirbt bis zur Rechtskraft derjenige Ehegatte, der der Scheidung nicht zugestimmt oder keinen eigenen Scheidungsantrag gestellt hat, wird er nach wie vor vom überlebenden Ehegatten (mit) beerbt.

Völlig unberührt von der Ehescheidung bleibt das Erbrecht der aus der Ehe hervorgegangenen gemeinsamen Kinder.

Diese sind sowohl auf das Ableben des Vaters, als auch auf das Ableben der Mutter erbberechtigt.

2. Erbrechtliche Beziehungen in der neuen Familie

Die erbrechtliche Situation der Kinder bleibt auch im Falle der Wiederverheiratung eines oder beider Eltern aufrecht erhalten, allerdings erben die Kinder nunmehr weniger, da ja der neue Ehegatte ebenfalls erbberechtigt ist.

Beispiel:

Die geschiedene Frau heiratet wieder und bringt zwei Kinder mit in die Ehe. Der neue Ehemann hat aus früherer Ehe ebenfalls ein eigenes Kind. In der neuen Ehe wird ein weiteres Kind geboren.

Stirbt der neue Ehemann, sind auf sein Ableben erbberechtigt

 die neue Ehefrau
 das Kind des Mannes aus erster Ehe
und
 das gemeinsame Kind aus der neuen Ehe.

Die beiden Kinder aus der ersten Ehe der ersten Ehe der Ehefrau sind auf das Ableben des zweiten Ehemannes nicht erbberechtigt.

Stirbt zuerst die Ehefrau, so gilt Folgendes:

Erbberechtigt auf den Tod der Ehefrau sind:

 der Ehemann
 die beiden Kinder der Ehefrau aus der ersten Ehe
und
 das gemeinsame Kind

Nicht erbberechtigt ist das Kind des Ehemannes aus der ersten Ehe.

Sollten diese Folgen nicht gewünscht werden, z.B. weil man das in der neuen Ehe gemeinsam Erwirtschaftete allen Kindern unabhängig von der Abstammung zukommen lassen will, sind testamentarische Regelungen unbedingt notwendig, ggfs. der Abschluß eines Erbvertrages.

Wurden vor der neuen Ehe Testamente errichtet, sind diese unbedingt zu überprüfen und anzupassen.

Die Ehegatten sollten auch evtl. in den früheren Ehen abgeschlossene Lebensversicherungsverträge überprüfen, insbesondere die Bezugsberechtigung.
Erfolgt hier keine Klarstellung, ist es möglich, daß trotz Scheidung der Bezugsberechtigte aus den Lebensversicherungen der frühere Ehegatte bleibt.