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Erste Maßnahmen nach dem Todesfall

Der – oftmals überraschend eintretende – Tod eines Angehörigen ist oft mit tiefem Schmerz und Trauer verbunden. Dennoch sind im Interesse der Angehörigen und potentiellen Erben viele Formalitäten zu erledigen „von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare“.

1. Todesanzeige und Sterbeurkunde
Der Todesfall wird vom Krankenhaus oder vom Arzt bestätigt, er ist innerhalb von 3 Tagen dem Standesamt mitzuteilen. Gleichzeitig sollte die Sterbeurkunde beantragt werden. Üblicherweise wird hiermit der Bestatter beauftragt, notwendig sind der Personalausweis oder der Pass des Verstorbenen, dessen Geburts- und Heiratsurkunde und eine Legitimation des Antragsstellers. Die Sterbeurkunde wird nicht unbedingt bei dem Standesamt beantragt, in dessen Zuständigkeit der Erblasser zuletzt gewohnt hat, vielmehr bei dem Standesamt, in dessen Zuständigkeitsbereich der Todesfall eingetreten ist.

2. Bestattung
Soweit der Erblasser selbst keine Bestattungsverfügungen getroffen hat oder solche derzeit nicht bekannt sind, muss entsprechend den jeweiligen Landesgesetzen die Bestattung durchgeführt werden. Betroffen hiervon sind Ehegatten, Kinder, Eltern oder Geschwister. Wird die Bestattung durch die Behörde vorgenommen, sind die nahen Angehörigen verpflichtet, diese Kosten zu übernehmen, zunächst unabhängig davon, wer Erbe geworden ist. Nach der gesetzlichen Regelung sind die Beerdigungskosten von den Erben zu übernehmen sind. Kommen die Angehörigen als Erben nicht in Betracht, so können sie die vorverauslagten Beerdigungskosten von den Erben zurückverlangen, sobald diese bekannt sind. Zu den Bestattungskosten gehören die Beerdigungskosten und diejenigen der Grabstätte nebst Erstbepflanzung.

3. Benachrichtigung Dritter
Vom Todesfall ist der Arbeitgeber zu informieren. Mit diesem ist zu klären, inwieweit von dort aus ggf. eine Hinterbliebenenversorgung zugesagt wurde bzw. ob noch Lohnansprüche bestehen.

Bei der Krankenversicherung ist zu erfragen, inwieweit eine Sterbegeldversicherung besteht. War der Verstorbene Rentenbezieher, muss die Rentenversicherung informiert werden. Soweit Renten nach dem Tod ausbezahlt wurden, werden diese von den Versorgungsträgern zurückverlangt.

Aus den entsprechenden Unterlagen des Verstorbenen ist ersichtlich, wo welche Versicherungen bestehen. Bei Lebensversicherungen muss die Versicherungsgesellschaft umgehend vom Todesfall oder durch Vorlage der Sterbeurkunde informiert werden, hier sind – je nach Versicherungsvertrag – bestimmte Fristen zu wahren, damit die Versicherungssumme auch an die Begünstigten zur Auszahlung kommt.
Weitere Versicherungen, z.B. für das Fahrzeug, Kranken- und Unfallversicherung, Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherung u.a. müssen gekündigt werden, in jedem Fall ist die Versicherung zu informieren.
An Hand der Kontoauszüge – soweit diese zugänglich sind – sollte überprüft werden, welche sonstigen, eventuell dauernde Verbindlichkeiten bestehen, damit auch hier eine Kündigung erfolgen kann.

4. Bankkonten
Hinweise auf Bankkonten geben Kontoauszüge. Bei den Geldinstituten muss angefragt werden, ob Vollmachten bestehen. Bei Vollmachten über den Tod hinaus können die Bevollmächtigten weiterhin über die Konten verfügen. Unter Umständen müssen diese Vollmachten widerrufen werden, damit das Erblasservermögen nicht gemindert wird.

5. Testamente
Wer sich im Besitz eines Testaments des Erblassers befindet, gleichgültig ob handschriftlich oder notariell, ist verpflichtet, dieses beim zuständigen Nachlaßgericht abzugeben.

Von Seiten des Nachlassgerichts wird dann überprüft, ob noch weitere Testamente vorhanden sind, diese bzw. die eingereichten werden dann eröffnet. Auch beim Nachlaßgericht ist die Sterbeurkunde einzureichen.

Diejenigen, die aufgrund des Testaments oder aufgrund gesetzlicher Erbfolge als Erben in Betracht kommen, werden vom Nachlaßgericht informiert.

Die Annahme der Erbschaft durch die Erben gilt als angenommen, wenn sie vom Erben nicht innerhalb einer Frist von 6 Wochen ausgeschlagen wird. Hier ist zu unterscheiden zwischen gesetzlicher Erbfolge und der sog. gewillkürten Erbfolge infolge eines Testaments durch den Erblasser. Bei gesetzlicher Erbfolge gilt die Frist, wenn den gesetzlichen Erben deren Verwandtschaftsverhältnisse zum Erblasser bekannt sind und er keine Hinweise darauf hat, dass eine letztwillige Verfügung des Erblassers besteht, die ihn als Erben auslässt.

Beruht die Erbeneigenschaft auf einer letztwilligen Verfügung des Erblassers, beginnt die Frist erst ab Bekanntgabe der Verfügung durch das Nachlassgericht. Wer die Erbschaft annimmt, erbt nicht nur das Vermögen des Erblassers, sondern auch dessen Verbindlichkeiten. Nach der Annahme der Erbschaft haften die Erben mit ihrem gesamten Vermögen für die Schulden des Erblassers. Die Ausschlagungsfrist ist kurz, innerhalb dieser Frist muss geprüft werden, ob der Nachlass ggfs. überschuldet ist und die Ausschlagungserklärung dann rechtzeitig beim Nachlassgericht eingehen.

Nach Ablauf der Frist unter ausdrücklicher Annahme der Erbschaft kann sich der Erbe ggfs. noch dadurch schützen, dass er eine Nachlassverwaltung beim Nachlassgericht beantragt und damit seine Haftung auf den Nachlass beschränkt, d.h. nicht mit eigenem Vermögen haftet.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang deshalb sich möglichst umgehend eine Übersicht über Vermögen und Verbindlichkeiten des Erblassers zu verschaffen.

6. Erbschein
Der Erbschein ist sozusagen der Ausweis für das bestehende Erbrecht gegenüber Geldinstituten, Versicherungen, Behörden bzw. Personen und Institutionen, bei denen sich Erblasservermögen befindet. Er weist aus, wer Erbe geworden ist und welche Anteile an der Erbschaft den jeweiligen Erben zustehen. Bei einer Erbengemeinschaft muss ein gemeinschaftlicher Erbschein beantragt werden, der auch die Erbquoten ausweist. Er wird beim Nachlassgericht beantragt unter Angabe der Familienzugehörigkeit zum Erblasser, der familienrechtlichen Verhältnisse durch Vorlage entsprechender Urkunden (Geburts-und Heiratsurkunden, Abstammungs- oder Adoptionsnachweise).

7. Vermächtnisse
Oftmals hat der Erblasser festgelegt, dass aus seinem Nachlass bestimmte Gegenstände oder Geldzahlungen an dritte Personen erfolgen sollen.

Diese Verbindlichkeiten treffen nunmehr den Erben. Er hat vorab diese Vermächtnisse zu erfüllen bevor er selbst den restlichen Nachlass in Anspruch nehmen kann. Auch hier muss möglichst schnell ermittelt werden, ob der Nachlass überhaupt ausreicht, alle Vermächtnisse zu befriedigen und für den Erben überhaupt noch etwas übrig bleibt.

8. Pflichtteil
Nahe Angehörige, z.B. Kinder oder Ehegatten sind pflichtteilsberechtigt. Wurden sie als Erben nicht eingesetzt, so können sie gegenüber dem tatsächlichen Erben ihren Pflichtteil geltend machen, dessen Höhe davon abhängt, wie nahe das Verhältnis zum Erblasser war. Der Pflichtteil ist jeweils die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Für den Erben gilt zu beachten, dass die oben angesprochenen Vermächtnisse für die Ermittlung des Pflichtteilsanspruchs rechnerisch im Nachlass bleiben, auch wenn die Vermächtnisgegenstände. z.B. die angeordneten Geldzahlungen den Nachlass mindern.



Eingestellt am 26.11.2015 von W.Theissen
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